Angehörige & Pflege•5 Min. Lesezeit•24. Oktober 2026

Was muss man bei offenen Wunden auf jeden Fall vermeiden? 5 fatale Pflegefehler

Zinksalbe in die Wunde schmieren, mit Leitungswasser baden oder austrocknen lassen: Vermeiden Sie diese 5 weit verbreiteten Fehler bei der Versorgung offener und chronischer Wunden.
DGKP Alexandra Lafer
DGKP Alexandra LaferZertifizierte Wundexpertin & DGKP

Gut gemeint ist leider oft das Gegenteil von gut gemacht. In vielen Hausapotheken schlummern noch Ratschläge und Mittel aus früheren Jahrzehnten, die bei modernen, schlecht heilenden Wunden schwere Schäden anrichten können.

Fehler 1: Zinksalbe, Puder oder fette Cremes in die offene Wunde schmieren

Zinksalbe gehört auf intakte, gereizte Wundumgebungshaut (z. B. im Windelbereich), aber **niemals direkt in ein offenes Wundbett**. Fette Salben und Puder verkleben die Wundporen, schließen Bakterien luftdicht ein und bilden eine undurchdringliche Schicht für sauerstoffreiches Wundwasser. Die zarten, neu entstehenden Zellen ersticken regelrecht.

Fehler 2: Die Wunde „an der Luft austrocknen“ lassen

Der Mythos „Luft heilt Wunden“ hält sich hartnäckig. An der Luft bildet sich eine dicke, harte Schorfkruste. Junge Epithelzellen können sich jedoch nur in einem feuchten, körperwarmen Milieu bewegen und teilen. Unter der Kruste bleibt die Wunde feucht und infektionsanfällig, während die Heilung um Wochen verzögert wird.

Fehler 3: Fußbäder mit Kernseife, Kamillentee oder Leitungswasser

Stundenlanges Baden weicht die gesunde Wundumgebungshaut extrem auf (Mazeration). Kamille wirkt auf offenen Wunden stark austrocknend und allergenisierend. Normales Leitungswasser enthält zudem Spuren von Keimen (z. B. Pseudomonas), die sich in offenen Wunden explosionsartig vermehren.

Fehler 4: Aggressive Desinfektionsmittel verwenden

Hochprozentiger Alkohol, Wasserstoffperoxid oder brennende Jodlösungen sind zelltoxisch: Sie töten nicht nur Bakterien, sondern zerstören auch frisch gewachsenes Bindegewebe. Zur Wundspülung dürfen nur gewebeschonende, sterile Lösungen (z. B. Ringerlösung oder moderne Polihexanid-/Octenidin-Wundspülungen) verwendet werden.

Fehler 5: Normale Trockengaze oder einfache Pflaster auflegen

Trockene Mullkompressen saugen zwar Sekret auf, verkleben aber innerhalb weniger Stunden unlösbar mit dem frischen Wundgrund. Beim nächsten Verbandwechsel wird das neu gewachsene Gewebe unter Schmerzen wieder abgerissen – die Wunde wird jedes Mal aufs Neue traumatisiert.

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