Cool bleiben trotz Verband: Professionelle Wundpflege an heißen Sommertagen

Wenn im Sommer das Thermometer über 30 Grad klettert, leiden Menschen mit chronischen Wunden besonders. Ob offenes Bein (Ulcus cruris) oder Wundliegen: Unter dicken Verbänden staut sich die Hitze, der Schweiß brennt auf der gereizten Haut und die Beine schwellen massiv an.
Viele Patienten geraten in Versuchung, Verbände einfach abzunehmen oder Kompressionsstrümpfe wegzulassen. Doch genau das führt zu gefährlichen Rückfällen. Mit den richtigen Kniffen kommen Sie und Ihre Angehörigen sicher und beschwerdefrei durch den Sommer.
Die Gefahr: Mazeration und Bakterienwachstum
Schweiß besteht aus Wasser und Salzen. Staut sich Schweiß unter einem herkömmlichen Verband oder einem Pflaster, weicht die gesunde Wundumgebungshaut auf – Fachleute sprechen von **Mazeration**.
Aufgeweichte Haut verliert ihre natürliche Barrierefunktion. Bakterien und Pilze finden im feucht-warmen Brutkasten ideale Wachstumsbedingungen. Die Folge: Die Wunde vergrößert sich, fängt an unangenehm zu riechen und schmerzt pochend.
4 wichtige Sommer-Tipps für Patienten & Angehörige
1. **Atmungsaktive Wunddistanzgitter & Schaumverbände nutzen:** Moderne Polyurethanschaum-Auflagen nehmen Schweiß und Wundsekret gezielt auf, ohne die Haut luftdicht abzuschließen. Die Haut bleibt trocken und geschützt.
2. **Hautschutz um die Wunde herum (Barrierecremes):** Die empfindlichen Wundränder sollten mit alkoholfreien Hautschutzfilmen (z. B. Acrylat-Barrieren) versiegelt werden, damit herablaufender Schweiß die Wundränder nicht aufweicht.
3. **Kompressionsstrümpfe niemals weglassen:** Bei Hitze stellen sich die Blutgefäße weit, das Blut sackt in die Beine und Ödeme nehmen dramatisch zu. Wer die Kompression weglässt, riskiert, dass die Wunde wieder aufbricht. Tipp: Strümpfe morgens direkt nach dem Aufstehen anziehen, wenn die Beine noch schlank sind.
4. **Kühles Hochlagern statt kaltem Abduschen:** Legen Sie die Beine tagsüber regelmäßig hoch (über Herzniveau). Duschen Sie die Wunde niemals mit Leitungswasser ab – das bringt gefährliche Haushaltskeime in das Wundbett.
Wann Sie eine Wundexpertin kontaktieren sollten
Riecht der Verband plötzlich süßlich oder faulig, nässt er stark durch oder nimmt die Rötung rund um die Wunde zu? Warten Sie nicht ab. Durch eine frühzeitige Wundreinigung und keimreduzierende Therapien wie Kaltplasma verhindern wir, dass sich im Sommer eine schwere Wundinfektion festsetzt.
Brauchen Sie Hilfe bei einer konkreten Wunde?
Wir beraten Sie persönlich in unseren Ordinationen in Graz und Gleisdorf oder kommen mobil zu Ihnen nach Hause.